Mann aus Kaufbeuren im Fadenkreuz von „Lovescammern“

22.9.2022 Kaufbeuren. Ein 56-jähriger Mann aus dem Ostallgäu ist Opfer des sogenannten „Romance- oder Love-Scammings“ geworden. Mit vorgegaukelter Liebe ergaunerten Betrüger bei ihm mehrere tausend Euro.

Bereits im Juni hatte ein 56-jähriger Kaufbeurer online eine Kontaktanfrage einer Frau erhalten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein intensiver Chat über soziale Messenger.

Im Verlauf des Chats erschlich sich die Frau das Vertrauen des Mannes. Schließlich gab sie dem 56-Jährigen gegenüber an, dass ihr angeblich ein Erbe zustehe. Dieses könne sie aber erst antreten, sobald sie verheiratet sei.

Kurze Zeit später meldete sich ein angeblicher Anwalt bei dem 56-Jährigen und ließ ihm eine Heiratsurkunde zukommen. Für diese Heiratsurkunde überwies der Mann schließlich mehrfach Gebühren auf verschiedene deutsche Konten. Bevor er Verdacht schöpfte, entstand dem 56-Jährigen so ein Vermögensschaden in Höhe von 15.000 Euro.

Die Kriminalpolizei Kaufbeuren ermittelt nun unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Kempten wegen Verdacht des Betruges und der Geldwäsche.

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Was ist „love scamming“?

Das Phänomen ist bei der Polizei als „Love Scamming“ bekannt und beschäftigte die Ermittler vor allem Mitte des letzten Jahrzehnts. Danach ebbte die Welle ab und wurde von neueren Phänomenen wie beispielsweise den „Falschen Polizeibeamten“ abgelöst. Mittlerweile erlebt die Geschichte der falschen Liebschaften wieder ein Comeback.

Die Angesprochenen werden mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft. Es entsteht im Verlauf der Zeit eine emotionale Abhängigkeit beziehungsweise eine Beziehung zum Unbekannten – auf einmal kommt ein vermeintlicher Notfall oder eine finanzielle Notlage in das Leben der neuen Liebe. Helfen kann nur das Opfer – mit dem eigenen Geld.
Wie häufig kommen solche Fälle zur Anzeige?

Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West wurden im Jahr 2021 mehr als 40 Fälle angezeigt, im Landkreis Ostallgäu registrierte die Polizei insgesamt 7 Fälle.

In den meisten Fällen entstand für die Opfer ein hoher finanzieller Schaden. 2021 erbeuteten die Täter präsidiumsweit über 600.000 Euro, in diesem Jahr ergaunerten Liebesbetrüger bereits mehr als 400.000 Euro.

Beim „Love-Scamming“ rechnet die Polizei mit einem sehr großen Dunkelfeld. Die Opfer trauen sich wegen der intimen Details aus der Kommunikation oft nicht, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Die Polizei rät:

Gerade im Internet tummeln sich viele Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen viel Geld verdienen. Die Betrüger versuchen die Vernunft ihrer Opfer über die Gefühlswelt auszuhebeln. Dazu gehören neben Zuneigung auch ungewöhnlich hohe Gewinnversprechen bei Geldgeschäften oder ungewöhnlich billige Angebote begehrter Artikel.
So überprüfen Sie Ihre Online-Bekanntschaft

Geben Sie den Namen Ihres / Ihrer Internetbekanntschaft mit dem Zusatz „Scammer“ beispielsweise bei Google ein. Die Suchmaschine kann in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen. Falls Sie ein Bild mitgeschickt bekommen haben, können Sie mithilfe der umgekehrten Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten.

Es ist außerdem sinnvoll, dass Sie für Online-Kontaktbörsen oder für den digitalen Schriftverkehr mit einem Unbekannten eine alternative E-Mail-Adresse benutzen. So können Sie verhindern, dass Sie im Fall eines Betrugs Ihren Hauptmailaccount löschen müssen.

Was tun, wenn ich gescammt wurde?

Ignorieren: Gehen Sie nicht auf Forderungen des Scammers ein. Überweisen Sie auf keinen Fall Geld. Lösen Sie auch keine Schecks ein oder leiten Briefe und Päckchen weiter – bewahren Sie solche auch nicht auf. Machen Sie geleistete Zahlungen, wenn noch möglich, sofort rückgängig.

Sichern: Speichern Sie alle Mails und Chat-Texte als Beweis auf einem Speichermedium wie beispielsweise Ihrem bevorzugten Cloud-Dienst, einer externen Festplatte, einem USB-Stick oder einer CD-ROM ab. Heben Sie Überweisungsbelege usw. auf. Wenn Sie es nicht selbst können, dann lassen Sie sich von computererfahrenen Bekannten und Freunden den sogenannten E-Mail-Header auslesen. Daran erkennen Sie, woher die Mail geschickt wurde. Selbsthilfeseiten im Internet erklären Ihnen ebenfalls, wie Sie sich vor größerem Schaden schützen können.

Wenn Sie dennoch unsicher sind, wenden Sie sich an Ihre nächstgelegene Polizeidienststelle. Dort erfahren Sie, was Sie konkret tun müssen, um alle Beweise sichern zu können.

Hilfe holen: Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Die Strafverfolgung solcher Täter ist zwar schwierig, weil sie aus dem Ausland agieren. Dennoch sollten Sie den Vorfall auf jeden Fall melden. Das ist besonders wichtig, wenn beispielsweise Banken strafrechtliche Schritte gegen Opfer unternehmen wollen, die unwissentlich gefälschte Schecks eingereicht haben. Die Polizei hilft Ihnen nicht nur dabei, Beweise für den Betrug zu sichern, sondern auch dabei, den Täter / die Täter konsequent zu blockieren.

(Symbolfoto: Bayerische Polizei)

Blockieren: Brechen Sie jeglichen Kontakt ab. Antworten Sie nicht auf Mails oder Anrufe des Scammers. Am besten ist es, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer zuzulegen. Gefahr besteht auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. Denn die Täter schicken mit ihren Mails meistens auch einen Computervirus mit. Dieser scannt die Daten im Mailadressbuch und erlaubt auch sonst eine Kontrolle über den Rechner der Opfer.

(PP Schwabe Süd/West, DG)