Das Ladenetz für e-Autos wächst

14.4.2018. Weg mit der Angst vorm Laden! Die Infrastruktur für e-Autos steht.

„Infrastruktur“ – was für ein umständliches Wort! Und unschön klingt es auch. Doch dahinter verstecken sich für Autofahrer ganz wesentliche Dinge: Straßen, Parkplätze und Tankstellen. Bei der Elektromobilität ist das genauso. Infrastruktur, das hört sich kompliziert an. Und soll doch bald schon ganz einfach sein. Wenn das High-Power-Netzwerk IONITY in Betrieb ist, dauert Aufladen nicht mehr viel länger als Tanken.

100 Millionen Euro sind eine Menge Geld. Und dabei ist es nur rund ein Drittel dessen, was allein die Bundesregierung in den Ausbau der flächendeckenden Lade-Infrastruktur für Elektroautos steckt. Es ist die zweite Charge, die gerade als Förderung von öffentlich zugänglichen Ladesäulen ausgeschüttet wird.

Die EU fördert den Ausbau der Lade-Infrastruktur mit 800 Millionen Euro. Damit werden bis 2020 rund 800.000 neue Strom-Zapfstellen geschaffen. In Deutschland kann jeder, der eine öffentlich zugängliche Ladesäule installiert, Geld vom Staat bekommen: Schnell-Ladepunkte mit mindestens 100 kW-Ladeleistung werden mit bis zu 30.000 Euro unterstützt. Standardvarianten werden mit 3.000 Euro gefördert. Prämien für den Kauf von e-Autos und Steuerbefreiungen bieten weitere Anreize für den Umstieg.

Volkswagen Studie I.D. VIZZION

Volkswagen Studie I.D. VIZZION (Foto: Volkswagen AG)

Der Staat schafft viele Anreize

Der Politik ist es also ernst mit der Sache. Und so können potenzielle Interessenten für ein E-Auto sicher sein, dass sie in eine behütete und boomende Zukunft investieren. Ladesäulen finden sich schon heute reichlich – zumindest in Ballungsräumen. An etwa 7.500 öffentlichen Punkten in Deutschland können Elektroautos mit Energie befüllt werden. Und es gibt viele Gründe, warum sich diese Anzahl schnell vergrößern dürfte.

Neben den finanziellen Verlockungen dürfte es in ganz Europa in Zukunft noch weitere Anreize für Elektroautofahrer geben. Denn der gesetzliche Rahmen für weitere Vergünstigungen im Alltag wird überall geschaffen. So sind Sonderparkrechte auf öffentlichen Straßen oder Wegen geplant, Gebührenfreiheit beim Parken oder Ausnahmen bei Zufahrtsbeschränkungen und Durchfahrverboten.

In manchen Orten dürfen schon heute die Bus-Spuren von e-Autos befahren werden. Spezielle Parkplätze für Fahrzeuge mit E-Kennzeichen werden eingerichtet, Umweltzonen sind stets befahrbar und von drohenden Fahrverboten bleiben Fahrzeuge mit Elektroantrieb verschont. Der größte Vorteil in engen und überfüllten Innenstädten dürften aber die kostenlosen Parkplätze an Ladesäulen sein. Hier kann das e-Auto zumindest während der Ladezeit stehen.

Die Steckerfrage ist längst geklärt

Wer immer noch Angst hat, sein Auto würde in Europa nicht an jede Ladestation passen, darf beruhigt sein. Die Autohersteller haben sich auf einen Standard geeinigt. In Europa ist es der sogenannte Typ-2-Stecker. Dreiphasig (mit Dreiphasenwechselstrom oder kurz: Drehstrom) kann er im privaten Raum mit bis zu 22 Kilowatt laden – während an öffentlichen Säulen bis zu 43 kW möglich sind.

Für noch mehr Leistung – also beispielsweise an Schnell-Ladestationen – wird der Typ-2-Stecker mit zwei zusätzlichen Leistungskontakten für Gleichstrom ergänzt. Es entsteht der Combo-Stecker CCS (Combined Charging System). Durch die Kombination aus Wechselstrom und Gleichstrom können Leistungen von 170 Kilowatt aus dem Kabel gezogen werden. Findet man also im Navi oder per App eine Schnell-Ladestation im Umkreis, dann ist die Säule auch mit genau diesem Standard bestückt. Nur zur Orientierung: Für eine Füllung der 35,8 Kilowattstunden großen Batterie eines e-Golf braucht es am Schnell-Lader gerade eine Kaffeepause.

Und schon bald können Autos mit doppelter Leistung geladen werden. Zusammen mit anderen Automobilherstellern hat der Volkswagen Konzern das Joint Venture IONITY gegründet. Unter dieser Marke soll ein Netz zuverlässiger und leistungsstarker Ladestationen entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen realisiert werden. Mit ihrer Leistung von bis zu 350 kW ermöglichen diese Stationen kürzeste Ladezeiten bei gleichzeitig komfortabler Nutzung. Der Zeitunterschied zum Tanken wird immer kleiner.

Heim und Arbeitsplatz als Ladestation

In städtischen Gebieten sprießen die Ladesäulen aus dem Boden wie Pilze im Herbst. Doch wie sieht es auf dem Land aus? Auch wenn sich vereinzelte Kommunen bereits für eigene Ladetechnik an Supermärkten oder öffentlichen Gebäuden entschieden haben, ist hier der Anteil an Eigenheimbesitzern viel größer.

Hier empfiehlt sich ein fest installiertes Ladegerät am eigenen Haus. Die sogenannte Wallbox lädt bis zu zehnmal schneller als eine handelsübliche Steckdose und kostet im Schnitt weniger als 1.000 Euro. Weil auch viele Arbeitgeber mittlerweile über eigene Stellplätze für e-Fahrzeuge nachdenken, dürfte ein eigenes Elektroauto damit für Pendler die erste Wahl sein.

In Deutschland stehen heute schon rund 7.500 Ladesäulen. (Foto: Volkswagen AG)

(1)e-Golf: Stromverbrauch, kWh/100 km: kombiniert 12,7; CO₂-Emission kombiniert, g/km: 0; Effizienzklasse: A+.