Mercedes-Benz Rallye-Fahrerin Ewy Rosqvist feiert 85. Geburtstag

25.7.2014 Mit mehr als drei Stunden Vorsprung auf den Rest des Feldes kommt Ewy Rosqvist am 5. November 1962 beim VI. Großen Straßenpreis von Argentinien für Tourenwagen (VI. Gran Premio Internacional Standard Supermovil YPF) ins Ziel. Der Gesamtsieg bei dieser Langstrecken-Rallye gehört zu den Glanzpunkten in der Karriere der ehemaligen Mercedes-Benz Werksfahrerin.

Ob „Mercedes-Benz & Friends“ oder die Schloss Dyck Classic Days: Ewy Baronin von Korff-Rosqvist begeistert bei jedem ihrer Auftritte als charmante Markenbotschafterin von Mercedes-Benz Classic die Fans. Am 29. August 2014 feiert die schwedische Rallye-Fahrerin, die in den 1960er-Jahren zur Werksmannschaft der Stuttgarter Marke gehört, ihren 85. Geburtstag. „Zu diesem Jubeltag gratulieren wir Ewy Rosqvist von ganzem Herzen“ sagt Michael Bock, Leiter Mercedes-Benz Classic und Kundencenter. „Wir schätzen ihre sympathische Art – und ihre absolute Professionalität am Lenkrad.“

Die Motorsportlerin wird am 3. August 1929 als Ewy Jensson in Stora Herrestad (Ystad, Südschweden) geboren. Ihre Eltern bewirtschaften einen Bauernhof, Ewy ist unter den fünf Kindern das einzige Mädchen. Sie besucht zunächst in Stora Herrestad die Volksschule, dann die Mittelschule in der südlich gelegenen Kleinstadt Ystad. Nach dem Abschluss der Realschule wechselt sie zur höheren Landwirtschaftsschule, was letztlich auch der Grundstein für ihre spätere Rallye-Karriere und für ihren ersten Kontakt zur Marke Mercedes-Benz ist.

Denn Ewy Jensson lässt sich im Fach Großviehhaltung ausbilden, studiert zwei Semester Tiermedizin in Stockholm und qualifiziert sich als Veterinär-Assistentin. In diesem Beruf muss sie als Mitarbeiterin eines Tierarztes einen großen Distrikt mit weit verstreut liegenden Höfen betreuen. Ihr Vater kauft ihr deshalb einen Mercedes-Benz Typ 170 S (W 136), mit dem die junge Frau jeden Tag 150 bis 200 Kilometer weit auf engen Staub- und Geröllstraßen unterwegs ist.

Innerhalb relativ kurzer Zeit legt sie mit dem Auto 220.000 Kilometer zurück und erreicht dabei immer bessere Fahrzeiten zwischen den einzelnen Gehöften und ihrem Zuhause. So schärft sie ihre fahrerischen Reflexe und entdeckt ihr Talent für das schnelle und sichere Fahren auf schwierigen Strecken. In ihrer Autobiografie „Fahrt durch die Hölle“ schildert die Rennfahrerin diese Zeit so: „Nach zwei Jahren fuhr ich bereits so gut, dass ich abends trotz all meiner Unterbrechungen in den Höfen meist anderthalb bis zwei Stunden eher ‚herum’ war als meine Kolleginnen.“

Ihre Heirat mit dem motorsportbegeisterten Ingenieur Ingve Rosqvist im Jahr 1954 bringt die junge Schwedin dann in Kontakt mit dem Rallye-Sport. Sie begleitet ihn auch 1954 bei der Rallye Mitternachtssonne (Svenska Rallyt till Midnattssolen) – und übernimmt erstmals das Steuer: „Auf einigen Zwischenetappen durfte ich fahren, und das hatte mir so viel Spaß gemacht, dass ich beschloss, so bald wie möglich selbstständig oder als Beifahrerin an einer Rallye teilzunehmen“, erinnert sich die Rennfahrerin später. 1956 startet sie dann im Alter von 27 Jahren mit Maybrit Clausson als Kopilotin selbst zur Rallye Mitternachtssonne.

Ewy Rosqvist engagiert sich mit großer Kraft im Rallye-Sport, auch wenn das für die junge Veterinärassistentin eine teure Angelegenheit ist. So fallen für die Teilnahme an einer größeren nationalen Rallye Ende der 1950er-Jahre umgerechnet rund 3.000 Deutsche Mark an. Rosqvist gewinnt viermal den Damen-Cup bei der finnischen Rallye der 1.000 Seen und gewinnt die Damen-Wertung bei zahlreichen anderen Rallyes in ganz Europa.

1959 erringt sie auf Volvo den europäischen Damen-Cup vor der international bekannten Rallyefahrerin Pat Moss, der Schwester von Stirling Moss. Den Pokal nimmt sie im Januar 1960 bei der Siegerehrung der Rallye Monte Carlo aus den Händen von Fürstin Gracia Patricia von Monaco entgegen. Auch 1960 und 1961 gewinnt Ewy Rosqvist diesen Pokal. Zudem erhält sie 1959 und 1961 den Damenpokal im internationalen Rallye-Sport (Coupe des Dames).

Das intensive und erfolgreiche Rallye-Engagement als private Leidenschaft lässt sich auf Dauer nicht mehr mit ihrem Berufsleben verbinden. So nimmt Ewy Rosqvist 1960 einen Vertrag als Werksfahrerin für Volvo an. Doch bald schließt sich der Kreis zu jenem aus Stuttgart stammenden ersten Auto, in dem Ewy Rosqvist ihr fahrerisches Können schulte: Mercedes-Benz holt die erfolgreiche Rallye-Pilotin zusammen mit ihrer Beifahrerin Ursula Wirth im Frühjahr 1962 in das Werksteam.

Mit der Oberklasse-Limousine Mercedes-Benz 220 SE (W 111) starten Rosqvist und Wirth erstmals zur viertägigen Svenska Rallyt till Midnattssolen (12. bis 16. Juni 1962) und sichern sich sofort den Damenpokal. Es folgen Platz 6 beim 22. Raid Polski (2. bis 6. Juni 1962) und Platz 12 bei der Rallye Liege–Sofia–Liege (29. August bis 3. September 1962), bevor das Duo schließlich den Großen Straßenpreis von Argentinien gewinnt. Ewy Rosqvist und Ursula Wirth entscheiden alle sechs Etappen des insgesamt 4.624 Kilometer langen Rennens mit Bestzeit für sich und werden bei der Ankunft in Buenos Aires frenetisch gefeiert. Es ist der wohl größte Erfolg in der glänzenden Karriere von Ewy Rosqvist.

Bei diesem Sieg gelingt es Ewy Rosqvist nicht nur, das Rennen zu dominieren, sondern sie erhöht auch die Durchschnittsgeschwindigkeit gegenüber dem Siegerteam des Vorjahres (Walter Schock und Manfred Schiek auf Mercedes-Benz 220 SE) von 121,234 km/h auf 126,872 km/h.

Auch in den folgenden Jahren sichert sich Ewy Rosqvist immer wieder exzellente Positionen bei renommierten Rallyes und Langstreckenrennen. Dazu gehören im Jahr 1963 Platz 16 und der Gewinn des Damenpokals bei der Rallye Monte Carlo, Platz 12 bei der 11. Internationalen Rallye Akropolis, der Klassensieg bis 2.500 Kubikzentimeter beim Sechs-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring (mit Ursula Wirth und Eberhard Mahle) sowie Platz 3 beim Großen Straßenpreis von Argentinien hinter ihren Teamkollegen Eugen Böhringer und Klaus Kaiser sowie Dieter Glemser und Martin Braungart, jeweils auf Mercedes-Benz 300 SE (W 112).

1964 erringt Rosqvist zusammen mit Eva Maria Falk den Klassensieg bis 2.500 Kubikzentimeter bei der Rallye Monte Carlo, holt den 5. Platz bei der Internationalen Rallye Akropolis und sichert sich Platz 3 bei der Rallye Spa–Sofia–Lüttich. Ihre aktive Karriere beendet die schwedische Pilotin schließlich beim Großen Straßenpreis von Argentinien 1964, den sie mit Eva Maria Falk auf Platz 3 abschließt. Im Juni desselben Jahres heiratet Ewy Rosqvist Baron Alexander von Korff-Schmysingk in der Kapelle des alten Schlosses in Stuttgart.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1977 lebt Ewy Baronin von Korff-Rosqvist noch einige Jahre in Stuttgart. Dort übernimmt sie unter anderem Museumsführungen auf Schwedisch, Deutsch, Englisch und Spanisch.

Heute lebt die Baronin von Korff-Rosqvist in Stockholm. Sie ist Mercedes-Benz Classic als Botschafterin des Rennsports eng verbunden und ein beliebter Gast bei Veranstaltungen von Mercedes-Benz Classic.