Großer Preis von Russland 12.10.2014 – Mercedes-Vorschau

9.10.2014. Der 16. WM-Lauf der Formel 1-Saison 2014 findet am kommenden Wochenende beim ersten Großen Preis von Russland auf der Strecke in Sochi statt.

Aussagen der Fahrer / Teamleitung

Lewis Hamilton

Ich weiß nicht, was ich nach so einem Wochenende wie in Japan sagen soll. Als ich über die Ziellinie gefahren bin, war ich selbstverständlich glücklich, endlich in Suzuka gewonnen zu haben. Aber sobald ich zurück in der Box war und hörte, was mit Jules passiert war, schien das nicht mehr relevant zu sein. Meine Gedanken und Gebete sind bei ihm und seiner Familie. An diesem Wochenende reisen wir zum ersten Mal nach Russland. Das wird eine neue Erfahrung für die Formel 1. Ich mag Herausforderungen und eine neue Strecke steht immer dafür. Natürlich sind wir viele Runden im Simulator gefahren. Aber man weiß nie so richtig, wie es sein wird, bevor man nicht dort ist und ein Gefühl für die Strecke entwickelt hat. Ich freue mich darauf, zu sehen, wie es wirklich ist und wie sich unser Auto dort schlagen wird. In Japan fühlte es sich im Rennen großartig an. Ich bin sicher, dass es auch in Sochi wieder stark sein wird. Jetzt hoffe ich, dass wir dort unsere Serie an guten Ergebnissen aus den letzten Rennen fortsetzen können.

Nico Rosberg
In Gedanken bin ich momentan zuerst immer bei Jules Bianchi. Ich wünsche ihm, seiner Familie und seinen Kollegen viel Kraft für diese schwierige Zeit. Das Wochenende in Japan brachte dem Team ein gutes Ergebnis, aber als wir abreisten, hatten wir alle nur einen Gedanken: Die Gesundheit unseres Kollegen Jules. Es ist aufregend, am kommenden Wochenende den ersten Großen Preis von Russland zu bestreiten. Die Formel 1 ist noch nie ein Rennen in Russland gefahren. Aber wir haben vor einigen Jahren schon Demonstrationsfahrten in Moskau absolviert. Damals bin ich rund um den Kreml gefahren. Das war richtig cool. Es hat jedem gefallen, all den russischen Fans, deshalb glaube ich, dass am Wochenende viele Menschen kommen werden, um uns zuzusehen. Uns erwartet eine neue Strecke. Deshalb haben wir viel Zeit im Simulator verbracht, um so gut wie möglich die richtigen Linien und Gänge herauszufinden. Das wird wichtig, wenn wir am Freitag das erste Mal auf die Strecke fahren. Ich freue mich darauf und bin überzeugt, dass es ein großartiges erstes Jahr für die Formel 1 in Russland werden wird.
Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef
Ich glaube, nach den Ereignissen am Ende des Rennens am Sonntag fühlte sich der gesamte Paddock wie benommen. Ich weiß, dass ich im Namen aller in Brackley, Brixworth und Stuttgart spreche, wenn ich sage, dass unsere Gedanken bei Jules und seiner Familie sind. An diesem Wochenende reisen wir zum ersten Mal nach Russland. Leider wird die Vorfreude darauf, dass unser Sport neue Gebiete erschließt und neue Märkte öffnet, von den Ereignissen in Suzuka überschattet. Die neue Strecke in Sochi sieht beeindruckend aus. Wenn ich an die Olympischen Winterspiele zurückdenke, bin ich sicher, dass wir ein Rennwochenende erleben werden, auf das das Land stolz sein kann. Es werden sicher viele neue Fans kommen, um das Debütrennen unseres Sports in Russland zu sehen.
Paddy Lowe, Executive Director (Technical)
Meine Gedanken und die des gesamten Teams sind bei Jules Bianchi, seiner Familie und unseren Kollegen bei Marussia. Wir haben in Suzuka eine starke Performance gezeigt, diese verblasst angesichts der Ereignisse am vergangenen Sonntag jedoch zur Bedeutungslosigkeit. Wir alle hoffen, schon bald positive Nachrichten zu erhalten. Jetzt geht es für uns zur Premiere des Großen Preises von Russland. Das ist eine spannende Angelegenheit für unseren gesamten Sport. Eine neue Strecke wie in Sochi stellt jedes Team vor eine interessante Herausforderung. Natürlich haben wir uns intensiv im Simulator vorbereitet. Dennoch erwartet alle Beteiligten am kommenden Wochenende zweifelsohne eine steile Lernkurve. Dabei wird die Entwicklung der Streckenbedingungen eine entscheidende Rolle spielen. Das hat sich schon vor zwei Jahren auf der brandneuen Strecke in Austin gezeigt. Dies ist Teil der Herausforderung Formel 1, an der wir alle großen Gefallen finden. Es wird faszinierend zu sehen sein, wie sich die relative Performance der Autos und Fahrer im Laufe des Wochenendes entwickelt. Uns könnte ein höchstunterhaltsames Rennen bevorstehen. Darauf hoffen wir sehr. Auch möchten wir den russischen Fans bei ihrem ersten Heimrennen eine gute Show bieten.
Sochi: Inside Line
Hintergrund
Die Strecke von Sochi, gelegen am gleichnamigen Urlaubsort am Schwarzen Meer, ist die erste nur für die Formel 1 erbaute Anlage in Russland. Hier findet in diesem Jahr der erste Grand Prix des Landes statt. Der Kurs befindet sich inmitten des beeindruckenden Olympiaparks. Er verläuft entlang vieler der architektonisch faszinierenden Anlagen, die für die Olympischen Spiele erbaut wurden. Die Strecke ist 5,853 km lang und stellt für die Teams und Fahrer eine neue Herausforderung dar.
Zum ersten Mal wurden die Pläne für den ersten Großen Preis von Russland im Jahr 2010 bekannt. Für den Bau zeichnete Streckenarchitekt Hermann Tilke verantwortlich. Die Streckenbreite schwankt zwischen 13 Metern an der engsten Stelle und 15 Metern auf der Start-/Zielgeraden. Die Strecke verläuft im Uhrzeigersinn und besteht aus zwölf Rechts- und sieben Linkskurven. Sie verbindet schnelle und technisch anspruchsvolle Abschnitte.
Sochi ist seit langem der größte und beliebteste Urlaubsort in Russland. Nun entpuppt sich der Ort auch als eine der wichtigsten Sportstätten des Landes. In diesem Jahr trägt Sochi nicht nur den ersten Formel 1 Grand Prix aus, es war auch Gastgeber für die 22. Olympischen Winterspiele und die elften Paralympics. In Sochi werden auch Spiele der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausgetragen.
Am Kommandostand
Eine komplett neue Strecke
Wie bei allen neuen Strecken können die Teams nicht auf vorhandene Informationen zurückgreifen. Daten von anderen Kursen sind nur wenig nützlich, da hierfür zu wenig Wissen über die Asphaltcharakteristik, den Streckenverlauf und die Kerbs vorhanden ist. Auch die Vorhersage des Wetters wird noch relativ unbekannt sein. Es existieren keine Erfahrungswerte in Bezug auf die Regenwolken, etwa ob sie heranziehen oder sich die Regenzellen über der Strecke bilden. Gewisse Informationen können jedoch aus Simulationen und Video-Aufnahmen gewonnen werden. Außerdem vertrauen die Teams hier vielmehr auf traditionelle Methoden und Simulationswerkzeuge. Wenn die Teams in Russland ankommen, hat jedes von ihnen bereits tausende Runden auf der Strecke simuliert. Dabei konzentrierten sie sich auf den Grip-Level, die Performance-Parameter und mögliche Setupeinstellungen. Die ersten Eindrücke lassen darauf schließen, dass das Sochi Autodrom eine eher traditionelle Strecke aus der Feder von Hermann Tilke ist. Sie bietet viele lange Geraden, relativ flache Kerbs und ein oder zwei Überholzonen.
Am Lenkrad
Auf jeder neuen Strecke können sich die besten Fahrer besonders auszeichnen. Sie kommen am schnellsten mit der neuen Strecke zurecht und finden eher Performance-Vorteile, während andere noch die Strecke lernen und versuchen, die Reifen zu verstehen. Jeder Schritt im Verlauf des Rennwochenendes kann als weiterer Baustein angesehen werden. Wenn ein Fahrer schneller zurechtkommt, egal ob bei ein paar Runden oder auf einem kompletten Run, liegt er ein paar „Bausteine“ vor seinen Gegnern. So kann er früher an Setupänderungen arbeiten, die einen Vorteil mit sich bringen, wenn es ins Qualifying und Rennen geht. Dabei ist es jedoch entscheidend, der normalen Reihenfolge der „Bausteine“ zu folgen und nicht zu versuchen, einige Schritte zu überspringen. Dadurch könnte der Fahrer die Orientierung verlieren.
Streckenoberfläche
Wenn die Fahrer im ersten Training am Freitag zum ersten Mal auf die Strecke gehen, wurde der Kurs bis dahin kaum benutzt. Es steht fest, dass sich die Strecke radikal weiterentwickeln wird. Beim ersten Korea Grand Prix sahen wir Verbesserungen von bis zu sechs Sekunden im Verlauf des Wochenendes. Im Vergleich dazu erleben wir auf einer normalen Strecke eine durchschnittliche Veränderung um die zwei Sekunden. Die Veränderung der Strecke ist hier also signifikant. Die Gründe dafür sind bestens bekannt, aber auch nicht zu vermeiden. Dazu gehört die Menge an Öl, die durch die Streckenoberfläche austritt. Das gehört zur Natur von frisch asphaltierten Strecken und lässt sich nur durch Fahrbetrieb abstellen. Der Asphalt wird sich auch bewegen, strecken, wachsen und insgesamt seine Form und seinen Zustand verändern. Im Zusammenhang mit der Streckenentwicklung werden auch Veränderungen an den Reifen eine Rolle spielen. Im Verlauf des Wochenendes sind das Auftreten von Blasenbildung und/oder Körnung sehr wahrscheinlich. Die Astroturf-Auslaufzonen könnten sich in den ersten Runden auf der neuen Strecke lösen. Das haben wir in der Vergangenheit auf einigen Strecken erlebt. Wenn die Formel 1 im nächsten Jahr nach Russland zurückkehrt, werden die Streckencharakteristiken viel stabiler sein. Beim Debüt ist es jedoch entscheidend, das Unerwartete zu erwarten und sich im Voraus auf so viele Situationen wie möglich vorzubereiten.
Auf der Suche nach einem Vorteil
Auf einer neuen Strecke gibt es stets mehr Zeit zu gewinnen oder zu verlieren als auf einem besser bekannten Kurs. Das gilt ganz besonders für weniger offensichtliche Stellen. Der Zeitverlust bei einem Boxenstopp ist auf einer Strecke, die regelmäßig im Rennkalender steht, relativ konstant. Das betrifft die Zeit, um in die Boxengasse zu fahren, den Boxenstopp durchzuführen und die Boxengasse wieder zu verlassen. Hier gibt es normalerweise Unterschiede von einer halben Sekunde. Dafür verantwortlich sind Verbesserungen durch den Fahrer im Verlauf des Wochenendes. In Sochi könnte der Verbesserungsspielraum auf Fahrerseite eine volle Sekunde übersteigen, wenn er sich immer besser an die verschiedenen Spritmengen gewöhnt hat. Dies scheint ein geringer Faktor zu sein, der unter normalen Bedingungen vielleicht als selbstverständlich angesehen würde. Aber hier könnten solche kleinen Details im Qualifying oder im Rennen entscheidend sein.
Back-to-Back Rennen
Der Russland Grand Prix findet in diesem Jahr direkt eine Woche nach dem Rennen in Japan statt. Dies ist keine einfache Aufgabe mit Blick auf die verschiedenen Zeitzonen und die zurückzulegende Distanz. Zwischen dem Ende des einen und dem Beginn des nächsten Rennwochenendes steht nur sehr wenig Zeit zur Verfügung, um das Material zu verpacken und wieder zu entladen sowie danach alles für das nächste Rennen aufzubauen. Gerade zu diesem späten Zeitpunkt der Saison kann hier Müdigkeit einen entscheidenden Faktor darstellen.
Power Unit Strafen
Gemäß Art. 28.4 des Sportlichen Reglements der FIA, das für die Saison 2014 stark überarbeitet wurde, wird ein Fahrer mit einer Zurückversetzung in der Startaufstellung belegt, wenn er mehr als fünf der sechs verschiedenen Komponenten der Power Unit (ICE, MGU-K, MGU-H, Energiespeicher, Turbolader oder Kontrollelektronik) einsetzt. Die Strafe gilt beim ersten Rennen, bei dem jedes dieser Elemente verwendet wird. Die Strafen gliedern sich wie folgt:
  • Austausch einer kompletten Power Unit – der Fahrer muss aus der Boxengasse starten
  • Das erste Mal, wenn das sechste jedes der genannten Elemente genutzt wird – Zurückversetzung um 10 Plätze
  • Das erste Mal, wenn das sechste der verbleibenden Elemente genutzt wird – Zurückversetzung um 5 Plätze
  • Das erste Mal, wenn das siebte jedes der genannten Elemente genutzt wird – Zurückversetzung um 10 Plätze
  • Das erste Mal, wenn das siebte jedes der verbleibenden Elemente genutzt wird (usw.) – Zurückversetzung um 5 Plätze
Wenn die Zurückversetzung in der Startaufstellung bei einem Rennen nicht gänzlich durchgeführt werden kann, wird der verbleibende Teil der Strafe ins nächste Rennwochenende mitgenommen. Die ersten Strafen wurden bereits ausgesprochen (als erstes war dies bei Daniil Kvyat beim Italien Grand Prix in Monza der Fall). Deshalb werden die Teams jetzt sorgfältig abschätzen, auf welchen Strecken der Nachteil am geringsten ist, um eine Zurückversetzung durch einen Austausch einer der genannten Komponenten zu riskieren. Theoretisch präsentiert Sochi eine gute Gelegenheit dafür. Das Streckenlayout sollte den Fahrern mit zwei potentiell guten Überholstellen bessere Gelegenheiten bieten, sich von einem schlechteren Startplatz durch das Feld nach vorne zu arbeiten.
Jubiläen
Mercedes-Benz Geschichte
8. Oktober 1984  – vor 30 Jahren:
In Berlin wird mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Forschung und Entwicklung ein Testprogramm für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge gestartet. Dabei werden fünf Mercedes-Benz 280 TE Modelle, die mit Dual-Fuel-Systemen für Benzin und Wasserstoff ausgestattet sind, sowie fünf 310 Vans mit reinem Wasserstoffantrieb getestet.
9. Oktober 1994 – vor 20 Jahren:
Kurt Thiim und Bernd Schneider gewinnen die beiden Rennen beim traditionellen Saisonfinale der DTM auf dem Hockenheimring in einer AMG Mercedes C-Klasse. Zwei Jahre nach seinem ersten DTM-Titelgewinn krönt sich Klaus Ludwig zum zweiten Mal zum DTM-Champion in einem Mercedes-Benz. Auch Vizemeister Jörg van Ommen fährt für Mercedes-Benz.
10. Oktober 1894 – vor 120 Jahren:
Gottlieb Daimler verlässt die Daimler-Motoren-Gesellschaft und tritt offiziell als Anteilseigner zurück. Er und Wilhelm Maybach setzen ihre Arbeit zur Weiterentwicklung des Automobils im Hotel Hermann in Cannstatt fort.
10. Oktober 1994 – vor 20 Jahren:
Der 10.000 Mercedes-Benz E 500 wird im Werk in Zuffenhausen an seinen Besitzer ausgeliefert. Der glückliche Kunde ist Ex-Rennfahrer Hans Herrmann.
12. Oktober 1939 – vor 75 Jahren:
Der Mercedes-Benz T 80 absolviert seinen ersten Lauf auf einem Chassis-Prüfstand. Das Rekordfahrzeug mit drei Achsen wurde 1936 von Hans Stuck inspiriert und von Ferdinand Porsche entworfen. Als Antrieb dient ein DB 603 V12 Flugmotor. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhindert die Fertigstellung des Fahrzeugs.
12. Oktober 1989 – vor 25 Jahren:
Der eine Millionste Mercedes-Benz Personenkraftwagen, eine 250 TD, rollt im Werk in Bremen vom Band.
Rennsport-Geschichte
8. Oktober 1978  – vor 36 Jahren:
Der Aufsichtsratsvorsitzende von MERCEDES AMG PETRONAS, Niki Lauda, startet beim Großen Preis von Kanada 1978 bei seinem 100. Formel 1-Rennen.
12. Oktober 1906  – vor 108 Jahren:
Piero Taruffi wird geboren. Er startet in der Formel 1-Saison 1955 bei zwei Rennen für die Silberpfeile.